Big Sexy Noise – So. 08.02.2026 – Berlin, Neue Zukunft

2026 Live

Big Sexy Noise – So. 08.02.2026 – Berlin, Neue Zukunft (ca. 350 Zuschauer)
Ich hatte nach dem Konzert noch ein kurzes Gespräch mit einem anderen Konzertbesucher und dabei überlegt, wie lange es wohl her ist, dass ich Lydia mit Big Sexy Noise gesehen habe. Gerade habe ich nachgesehen und es sind tatsächlich beschissene 15 Jahre. Damals hatte ich noch im Teaser geschrieben, dass sie 51 Jahre alt, aber so wütend ist wie immer. Auf dem Konzert fand ich sie damals eher schwach und die Band (Gallon Drunk als Ganzes) überraschend dominant und der eigentliche Qualitätsgarant.
Daran hat sich nichts geändert, auch wenn heute nur noch der Gitarrist und der Drummer von Gallon Drunk dabei sind. Tatsächlich reicht das vollkommen, denn Johnstons Sound ist nachwievor mit das Beste was man zwischen damals und heute zu hören bekommen konnte. Der Dampf und der Sound sind trotz der Minimierung eine totale Walze. Johnston macht immer noch eine gute Figur auf der Bühne, was man von Lydia nicht mehr wirklich sagen kann. Dazu kommt noch, dass sie nen Textständer auf der Bühne stehen hat und das tut mir leid, das sägt wirklich am Ast der Hochschätzung.
Die Inhalte sind natürlich top und ich glaube nicht, dass ich euch erklären muss, wer Lydia Lunch ist und wie wichtig ihre Kunst und Persönlichkeit für die Underground-Musik-, Literatur- und Filmszene ist. Aber körperlich und stimmlich ist natürlich 15 Jahre später auch keine positive Explosion zu erwarten gewesen. Und wenn das vor 15 Jahren auch schon so war, kann ich aber definitiv dagegen halten, dass Lydia, als ich sie das erste Mal live sah, damals auf der Tour zum Shotgut Wedding Album mit Rowland Howard (ca. 92/93) …. damals war Lydias Präsenz von derart einschüchternder, fast beängstigender Bedrohlichkeit, dass wir vor Respekt zu kleinen Eiszapfen wurden.
Zurück zum heute: musikalisch ebenfalls 1:1 wie 2011, was auch wirklich wunderbar passt. Am Ende bleibt aber wieder ein starker Eindruck vor allem von der Band. Lydia weiß das heute auch positiv zu schätzen, nicht wie noch vor 15 Jahren.
Wenn man auf Lunchs musikalische Karriere zurücksieht, darf man sicher auch geteilter Meinung sein. Meine Favoriten sind nachwievor die allerersten Sachen mit Teenage Jesus, dadurch natürlich auch Retrovirus, was mit dieser unglaublichen Bande um Weasel Walter mehr als würdig neuinterpretiert wird, Rowland Howard steht natürlich mit Shotgun Wedding auf 2 und dann kommt aber mit nur wenig Rückstand bereits Big Sexy Noise.
Gallon Drunk waren in den 90ern wirklich grandios, sind aber auch heute noch super. Doch Johnston fing schnell an, sich bei anderen Bands anzuverdingen. Zunächst, nach Blixas Ausstieg, bei den Bad Seeds, live und auch auf zwei drei (von den bereits weniger spannenden) Alben, dann in schneller Abfolge bei Lunch, mit Faust gab es eine LP in enger Zusammenarbeit und bei PJ Harvey und da gehört Johnston mittlerweile zum ganz engen Zirkel. Ich hab das immer etwas verächtlich betrachtet, wie er sich den „großen“ Künstlern andingte, weil: Warum? Er ist dermaßen gut, er ist ein richtiger Star, spielt extrem gut, weiß wie man seine Gerätschaften zum Klingen bringt wie kein anderer und kann auch sehr gut singen und Songs schreiben. Also: Warum?

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