375 CEG – Do. 08.01.2026 – Berlin, Lombardo Bar (ca. 100 Zuschauer) – Foto: Tomb Huber
Nachdem mein alter Frankfurter Freund Thomas massiv Fotos und Kommentare über diese Band verbreitete, war die Freude groß, dass sie sich auch mal um die Häuser hier in Berlin blicken lassen … natürlich nicht zum ersten Mal, aber das hatte ich vorher einfach noch nicht mitgeschnitten – was einen dann zwar selbst wundert, angesichts dessen was die Band zu bieten hat und auch angesichts dessen, welches Interesse sie auslöst. Aber naja, offensichtlich fangen die Fühler dann doch nicht alles ein, was es so Schönes auf der Welt gibt.
Dass sie ausgerechnet in der Bar mit dem merkwürdigen Namen „Ick koof mir Dave Lombardo wenn ick reich bin“ spielten (dadurch, dass dies hier bewusst metal-freie Zone ist, will ich mir jetzt auch gar keine Gedanken wegen des Kneipennamens machen), die mir vorher unbekannt war, spricht irgendwie auch für die unkonventionelle Art der Band.
Da sie dies offensichtlich hier schon zum zweiten Mal tun, hat sich reichlich rumgesprochen, denn als ich die Bar betrete, muss ich mich erstmal reichlich rumquetschen, um Bier und Bekannte zu finden.
375 CEG leben vor allem von ihrer schräg-coolen Attitüde, der Vielzahl an Instrumenten mit denen sie Unfug machen und den Kostümen und ausgiebigen Eskapaden von Organistin und Sängerin Christina. Singen tut sie ja eigentlich kaum, wie auch die anderen. Nicht nur, dass lange Passagen rein instrumental sind, auch das, was dann tatsächlich gesungen wird gehört in Anführungszeichen, da es eher konvulsivischen Artikulationsattacken gleicht, denn melodiegeführtem Singsang.
Stilistisch könnte man das am Ehesten auf dem Krautrock aufbauend einstufen, allerdings ohne direkte Referenzen anführen zu können, denn dazu sind 375 CEG viel zu eigenständig. Tatsächlich ist aber auch viel mehr drin. Ein wenig Velvets, vor allem von der Gitarre, ein wenig Punk/NewWave, hier und da wird es aber sogar auch mal richtig schön.
Drums und Gitarrist formen die abwechslungsreiche Basis. Darauf toben sich der Theremin-Spieler, der gerne auch mal zu diverem Flötenwerk oder einem Vocoderschlauch greift und die Organistin aus, die die Orgel auch lieber mit dem Fuß spielt und den M20 ins Feedback-Tremolo schickt, anstatt darauf standesgemäß zu musizieren.
Da sie auch keine Gelegenheit verstreichen lässt, sich ins Publikum zu werfen, auf Stühlen und Tischen rumzuklettern, durch eine Beatmungsmaske ins Mikro zu brüllen oder wahlweise einen Telefonhörer, ist der Unterhaltungsfaktor auch auf der Entertainerskala hoch und ich habe ausschließlich staunend lachende Gesichter gesehen, bei einem Publikum, das ganz schön bunt gemischt war, vor allem auch vom Alter her. Schön, dass die Jugend sowas gut findet. Die sollen das mal brav nachmachen, damit die Linie nach uns nicht endet.
Also unterm Strich sind 375 CEG eine Entdeckung für jede und jeden und das vollkommen verdient. Musik und Auftreten sind völlig schamfreier Rock’n’Roll, zumindest nach meiner Definition. Coolness hängt eben nicht am Alter und auch nicht der Hang zum Schabernack.