Circuit Des Yeux – In Plain Speech – LP

2015 Platten

Circuit Des Yeux In Plain Speech (Thrill Jockey, 19.05.2015) – LP
Circuit Des Yeux ist der Name unter dem die unheimliche Folksängerin Haley Fohr ihre hauptsächlichen Musiken veröffentlicht. Fohr ist gerade sowas wie 30 Jahre alt, bringt aber schon seit mindestens 12 Jahren Platten heraus. Und nicht nur das: Sie komponiert Soundtracks, ist an unterschiedlichsten Kunstprojekten beteiligt, schreibt, spielt vorallem Gitarre und singt. Und zwar mit tiefer Stimme!! Das klingt erstmal nicht besonders aufregend, aber stellt euch vor, man spricht absichtlich tief, so als wollte man sagen: „Hier spricht Dr. Mabuse!“ (in den Vorschriften von Kickin Ass heisst es: „Spare niemals an Insiderjokes!“) und dann tut man noch etwas Vibrato und Oper drauf und schon hat man das geradezu furchterregende Gesangsempfinden, mit dem sich ausser Haley Fohr noch kein junges Mädchen an die Öffentlichkeit gewagt hat.
Aber auch ausser der Stimme muss man sich bei Circuit des Yeux (Haley wohnt übrigens in Chicago und spricht den französischen Bandnamen selber ganz amerikanisch aus) erstmal einfinden. Das Klangbild ist variabel, die Songs gehen eigene Wege, es gibt kein verfolgbares Patentrezept. Vielleicht ist es mit experimentellem Indie-Folk am ehesten umschrieben. Akkustikgitarre, Flöten, Geigen aber auch Elektronisches werden zwar sehr homogen und höchst interessant, aber doch in dunklen Klangbildern verwoben, die ein eher unangenehmes Gesamtgefühl hinterlassen. Und darüber tönt diese schauerhafte Stimme. Für Kickin Ass also eine Melange die aufhorchen lässt.
über die Qualität von Fohrs Werk streitet niemand. Die Indieprominenz buhlt um ihre Beiträge. Als Beispiel sei nur Lee Ranaldo genannt, auf dessen jüngstem Album sie auf einem Track mitsingt.
Und sie kann auch live noch was draufsetzen, das beweist, dass mit ihr was nicht in Ordnung ist und sie daher für den Kickin Ass Geneigten qualifiziert: Sie versteckt ihr Gesicht hinter dem Vorhang ihrer Haare, so dass man quasi nichts von ihr sieht. Manchmal trägt sie auch nen tiefgezogenen Hut oder irgendwelche Stoffarrangements, aber das Gesicht ist immer weg. Ich weiss nicht, warum sie das macht, weil auf Fotos und Interviews hat sie keine Scheu, sich zu zeigen. Ich finde es jedenfalls zumindest merkwürdig, hachz … und wünsche mir mehr neue Musiker, die so bekloppt sind wie diese Frau.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.