Faust – Something Dirty – LP

2012 Platten

FaustSomething Dirty (1.2.2012, Cloud Hill) – LP
Eigentlich schreibe ich das hier nur, um loszuwerden, was mir letztens über das 1997 in der Kölner Kantine stattfindende Konzert von Faust erzählt wurde und das ich so noch nirgends erwähnt gefunden habe.
Zuerst aber etwas zur Zusammensetzung des Albums, das eigentlich kein „richtiges“ Faust-Album ist, sondern eine Kollaboration mit dem britischen Indie-Rocker James Johnston (Gallon Drunk) und seiner Frau Geraldine Swayne, ihreszeichens eher Malerin, die aber dennoch schon bei den frühen Gallon Drunk Werken irgendwie immer mit am Ball war, ohne ein Bandmitglied zu sein.
über Faust brauch ich nichts zu erzählen, denke ich mal. Aber auch Johnston schätze ich als eigenständigen Musiker sehr, umso aufdringlicher empfand ich eine zeitlang seine Omnipräsenz. Als ob er mit Gallon Drunk nicht ausgelastet wäre, suchte er immer wieder die Kollaboration. Warum? Auf der Suche nach Lorbeeren oder aus Geschäftstüchtigkeit? Oder wurde er vielleicht sogar gefragt? Zuerst die Bad Seeds, dann Lydia Lunch, dann Faust, alles so schnell aufeinander folgend. Und Faust haben ihn bestimmt nicht gefragt.
Dass er heute auch noch mit PJ Harvey zusammenarbeitet, mag ihn durchaus ehren, hat das schlechteste aller Harvey Alben aber leider nicht bereichern können. ähnlich sehe ich das bei Faust.
Man mag ja nach allen Seiten offen bleiben, aber in meinen Augen ist das eine reine Zweckallianz. Man profitiert voneinander und jeder tut dem anderen eine breitere Fangemeinde auf. Ist verständlich und akzeptiert – künstlerisch aber fahl. Sie ergänzen sich nicht, sondern spielen nebeneinander. Man hört den Unterschied der Songs die aus der Faust-Feder kommen und umgekehrt. Klingt wie ne Split-LP. Dass sie in dieser Besetzung gemeinsam live aufgetreten sind, hätte ich mir dennoch gerne angesehen, um mein Urteil auf breiteren Boden zu stellen.
OK, ich gestehe: Das ist Meckern auf hohem Niveau. Johnston ist ein ausgezeichneter Musiker (als Maler … weiss nicht so recht) und er hat auch ein Rockstar-Standing. Ich hab ihn sehr oft auf kleinen Bühnen gesehen. In den 90ern ist er bei Gallon Drunk immer quer über alle Monitorboxen von der Bühne gefallen. Oder seht euch mal das Video an, wo man die Tastatur seiner Orgel sieht. Lauter zerdepperte Tasten und voll mit angetrocknetem Blut. Sein Auftritt vor ein paar Jahren im King Georg gehört zu den Top Ten aller Konzerte, die ich in den 2010ern gesehen habe.
Also eigentlich gebührt ihm die allergrösste Ehre und die Latte liegt wirklich an der Oberkante. Aber genau daher erlaube ich mir, Something Dirty zu kritisieren, weil ich verstehe nicht, was er von dem Franzosen will, wenn er sich nicht richtig mit ihm zusammen tut. Ich bleibe dabei, das ist quasi eine Seite Faust/Peron und eine Seite Gallon Drunk/Johnston. Punkt!

Achja, ich schulde euch noch die Geschichte über Faust in der Kölner Kantine, die mir kürzlich vom deren Booker Marcus Neu erzählt wurde. Die Kantine is ja ziemlich gross. Da gehen bestimmt 800 Leute rein. Peron kam morgens schon ganz früh und befestigte schwarze Bindfäden an der kompletten Decke, die soweit runterreichten, dass sie den Leuten ins Gesicht hingen. Beim Konzert zersägten sie dann zuerst ein Gemälde mit einer mikrofonierten Kettensäge, dann stellten sie eine Maschine in den Saal, mit dem die Bauern Spreu vom Weizen trennen und pusteten damit den ganzen Laden voll, sodass der Staub später noch in jeder Ritze in den Regalen hing.
Und am Ende liessen sie eine völlig überdimensionierte Ladung Trockeneis los, die den Saal derart in Schwaden hüllte, dass die Leute Panik bekamen und vor die Tür flüchteten. ALLE, ohne Ausnahme, sogar das Thekenpersonal und zwar ohne Kasse, was verdeutlicht, wie extrem das gewesen sein muss. Die Band merkte das aber gar nicht und spielte ihr Konzert ohne Publikum zu Ende. Wenn das mal keine schöne Geschichte ist.

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