Brainticket – Psychonaut – LP

1972 Platten

BrainticketPsychonaut (Bellaphon, 1972) LP
Sie gelten als eine der obskursten Bands aller Zeiten, sagt zumindest der Rough Guide to Rock und der weiss wirklich mehr über Brainticket als das ganze Internet. Um den belgischen Organisten und Flötisten Jöel Vandroogenbroeck, setzte sich der Rest der Band vorwiegend aus Schweizern und Deutschen zusammen.
Ich habe diesen Kram als Jugendlicher bis zum Erbrechen gehört und auch heute gefällt mir die Mischung aus Psychedelia, Hippie-Sitars und Tablas und manchmal schon fast abgegriffenen Rock-Riffs, übermalt von dem melodischen, mal gruslig rezitativen Gesang von Jane Free.
Wurde die erste Platte Cottonwoodhills noch als vertonter LSD-Trip eingestuft, so setzt dieses zweite Album durchaus auf abwechslungsreiche Eingängigkeit, der es nicht gerecht würde, auf den Hit „Like A Place In The Sun“ reduziert zu werden. Psychonaut hat viel mehr zu bieten und eine hohe Halbwertszeit. Schon das Cover hat dem jugendlichen Onkel Ralf Stunden zwischen Freude und Grusel bereitet. Dieses Album lohnt sich.
Es ist erstaunlich, dass Brainticket heute immer noch als Geheimtipp gehandelt werden, wenn man bedenkt, wie sehr sie doch, von denen die sie kennen, mit Lob überhäuft werden. Sogar der Rough Guide stellt sie in eine Linie mit den Visionen von Can, Faust und Bowie, was wohl aber eher für das erste, noch deutlich verschrobenere Album gilt. Psychonaut fühlt sich viel ähnlicher an wie Aphrodites Child. Voller Spannung, Grusel, Überraschungen und Schönheit. Wie eine satanische Messe inmitten von trippenden Hard-Rock-Hippies, doch das Ende ist nicht Beklemmung sondern Aufwachen und Erleichterung. Psychonaut ist nicht wirklich böse. Psychonaut tut gut.

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