Silver Apples – Contact – LP

1969 Platten

Silver ApplesContact (Kapp Records, 1969) – LP
Ich weiss noch, wie mal jemand zu mir sagte, was mit mir denn nicht stimmen würde, dass ich so einen durchgeknallten Scheiß wie das erste Dirtbombs Album mögen würde. Kann ich bis heute nicht verstehen … ehrlich nicht. Dasselbe würde ich aber wohl jemanden fragen, der die Silver Apples mag, ein New Yorker Duo mit einem, der einen selbstgebauten Synthesizer (ohne Tasten, nur Knöpfe) bediente und dazu sang und einem Drummer, der manchmal noch ein Banjo zupfte.
Der Sound ist minimal, völlig glanzlos und ungeschönt, wirkt emotional gestört und beklemmend. Der Tongenerator fiept und muckt, meist etwas unmelodisch über einer sich durch die längste Zeit des Songs durchziehenden Bassfigur. Was das Schlagzeug dazu spielt, klingt irgendwie … unwillig. Als hätte der keinen Bock was Anständiges abzuliefern und scheppert daher immer eher leicht störend dazu rum, nie gradeaus, aber auch zu unmotiviert um wirklich destruktiv zu sein.
Auch der Gesang, was ich eher als „mit unterschiedlichen Tönen und in unterschiedlichen Emotionen gesprochen“ bezeichnen würde, strapaziert das Nervenkostüm, tut aber im ersten Moment nicht allzu sehr weh. Erst auf die Länge, wenn man dann mal 15-20 Minuten zuhört, kickt die Klaustrophobie so richtig rein, was sich adäquat in den Texten widerspiegelt, die sich um illustre Themen wie emotionale Ausbeutung und ähnliches drehen. Wer das aushalten kann, dem gebührt mein Respekt.

Die Silver Apples waren ihrer Zeit aber vorallem darin voraus, dass sie auf den Pop-Sektor drangen. In der Avantgarde- und Klassikszene waren elektronische Experimente Ende der 60er ein bereits gähnend ausgelutschtes Feld. Sehr wahrscheinlich haben sie ihren Namen ja auch Morton Subotniks „Silver Apples Of The Moon“ entlehnt. Subotnik stand damals selbst noch am Anfang und sein Standardwerk „Wild Bull“ erschien gerade im selben Jahr. Aber, wie gesagt, das war eine andere Szene. Die Silver Apples suchten ihre Fans unter den Hippies und fanden sie nicht. Beide Platten wurden nicht verkauft und das Cover von „Contact“ ein Skandal, da das Firmenlogo von PanAm darauf zu sehen ist (erstaunlicherweise auch noch heute auf den Reissues) und die folgende Klage die Band ausblutete.
Erst in den 90er Jahren fanden sie wieder auf die Beine, als ihnen, aufgrund einer Wiederveröffentlichung der beiden Platten als CD-Bootleg, plötzlich Heerscharen zu Füßen lagen und sie in die Lage versetzten, mit aktuellen Szene-Ikonen wie Steve Albini, Sonic Boom und anderen rumzuhängen und neue Platten aufnehmen zu können.
Die erste Platte finde ich übrigens doch einen Tick umgänglicher als „Contact“ und sei daher zum Einstieg vorzuziehen, obwohl sich der ganze Wahnsinn erst hier entfaltet. Mein Lieblingstitel „You And I“ ist der Opener. Vielleicht dann doch mit diesem Song anfangen und erst weitermachen, wenn man den bis zum Ende geschafft hat, hahaha.
Zum Abschluß sei noch erwähnt, dass beide Musiker mittlerweile gestorben sind, der Elektroniker Simeon tatsächlich erst vor gerade einem halben Jahr.

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