The Backdoor Society, Boris Bond – Fr. 17.04.2026 – Berlin, Schokoladen

2026 Live

The Backdoor Society, Boris Bond – Fr. 17.04.2026 – Berlin, Schokoladen (100 Zuschauer)
Und wenn du das letzte Wesen bist, dem ich noch nicht erzählt habe, dass ich KEIN so wahnsinniger Fan der Surf-Musik bin, Boris Bond, eine Band aus Berlin mit Wurzeln in Bosnien, außerdem im Punk, haben es geschafft, mir zu gefallen, obwohl sie sich sogar das Etikett „klassischer“ Surf angeklebt haben, was mich natürlich schon im voraus in Angst und Schrecken versetzt hat.
Sie haben aber nicht nur einen sehr angenehmen Humor sondern wissen die „klassische“ Auslegung wunderbar zu unterlaufen, indem sie diverse Kniffe anwenden, die ganz und gar nicht klassisch sind, bspw. ein meist ziemlich schiebendes Schlagzeug, das selten diesen grauenvoll verschleppten Hänger-Beat verwendet, der mich so verängstigt, vor allem, wenn er in jedem Song immer neu wiederverwendet wird.
Die tropfenden Gitarren … ja, sind schon da, ich meine, irgenwas muss die Stilbezeichnung ja rechtfertigen, aber sie tropfen mehr in der Höhle oder im schwülen Blue Velvet Hinterzimmer, wo die Whiskeys umsonst sind, der Rauch undurchdringlich und Damen wie Herren ihre Halsbänder lockern.
Die Melodien machen einem Lust auf eine listige Unterhaltung mit viel Lügen und weniger auf ein Sonnenbad am Strand. Wer sowas mag, so wie ich, der mag auch Boris Bond.
Die Backdoor Society startete hingegen von der Pole Position der Erwartungen und das ist ja immer schwerer, auch wenn sie niemand anders auf diese Position gesetzt als … ich.
Und sie sind auch wirklich eine wunderbare Band, sehen toll aus mit ihren Paisley-Klamotten, langen Locken und Lennon-Brillen und ihrem schönen Uptempo Nederbeat, nur dass sie eben aus Italien sind, aber glaubt mir, ich bin nicht der Papst der KulturellenAneignungsfront. Wegen mir dürfen alle die Musik machen, die ihnen gefällt und sich dazu genau den Hut oder die Unterhose anziehen, wo sie drauf stehen.
Ich glaube aber, der Sänger hatte sein Tambourin vergessen. Es sah schon fast lustig aus, wie er mit den Händen die Bewegungen mimte. Darüber hinaus hat er eine tolle Stimme und eine Präsenz, die zwar erstmal beeindruckend wirkt, dennoch aber fragil ist. Keiner der Backdoor Society ist ein Entertainer. Das macht sie mir zwar sympathisch, kommt über die Länge des Sets aber ein wenig zum Nachteil, zumal sie viele sehr ähnliche Songs auch sogar mit ähnlichem Tempo, ähnlicher Gitarrenperkussion, wiederkehrenden Bassläufen und wenig herausfordernden Varianten in den Gesangsmelodien haben.
Erst im letzten Drittel wurde es wieder interessanter. Mein Herz haben sie aber auf alle Fälle. Ich würde mir mehr solcher Bands wünschen und gerne schnell wieder Piacenzas finest.

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