Steakknife, Palma – Sa. 18.04.2026 – Berlin, Trügschta

2026 Live

Steakknife, Palma – Sa. 18.04.2026 – Berlin, Trügschta (80 Zuschauer, packed as fuck), Foto: Sir S
Ich kann mich noch gut erinnern, wie Anfang/Mitte der 90er Fugazi dauernd im Juzi Göttingen spielten, obwohl sie die Outpost hätten ausverkaufen können. Man kann es ihnen zugute halten, sich ihrer ureigenen Szene verbunden zu fühlen und sich auch dort zu bewegen, wo sie sich selbst am wohlsten fühlen. Dass sie es damit nur einem Drittel ihrer Fans möglich machten, das Konzert zu besuchen, ist die Kehrseite und es ist nicht an meiner Stelle, für das eine oder das andere zu plädieren.
Steakknifes aktivste Zeiten sind nicht jetzt. Dennoch fiel mir die Fugazi Geschichte wieder ein und ich bestellte meine Gefährten für eine halbe Stunde VOR Türöffnung ein. Tatsächlich sind wir nicht die ersten und als das Tor aufgeht hat sich bereits eine Gemeinschaft der 50 zusammengefunden. Die größten Befürchtungen sind aber tatsächlich ausgeblieben.
Palma aus Münster beginnt mit variablem Hardcore. Viele Tempowechsel sorgen für wenig Langweile. Wenn ich aber mal an die Zeiten zurückdenke, als es Mitte der 80er so richtig mit dem Crossover losging, vereinen Palma eine Menge Historie. Vom ganz frühen HC über Metal-Crossover und den groovigeren Rhythmen der 90er bis zu Noise-Rock-Einlagerungen ist alles dabei. Mir persönlich ein bisschen zu viel Wechsel. Dabei bleibt der Gesang konstant auf Kreischlevel. Fein, sympathisch, auf sehr gutem Level, aber nicht ganz meins.
Steakknife – wie war das? jetzt in Saarbrücken beheimatet? – in der gewohnten Punkrock-Manier, mit gut ausgefeilten, ungemein hochwertigen und eigenwilligen Kompositionen. Besonders der schön abgestimmte und nie langweilig werdende Kanon der Gitarren sucht seinesgleichen. Bei den vielen Besetzungswechseln schon eine Leistung, das Niveau am Limit zu halten. Den Sound bekommen sie nicht ganz so perfekt hin wie Trust Issues vor einigen Monaten, dafür holzt es aber auch nicht so extrem aus der Schießbude. Steakknife hat weiterhin Swing, ein sonst leider gerade nicht sehr modernes Stilelement.
Lee Hollis ist nachwievor DIE tragende und charismatische Frontfigur, nicht nur für Steakknife oder die Historie seiner Bands, sondern für die Gemeinde und auch die Geschichte deutscher Punkbands in umfassender Gänze. Ich bin jetzt hier nicht das Hardcore-Fankid (oder wie sagt man?). Aber Lee Hollis ist für mich eine der vorbildhaftesten Charaktere im deutschen Punkrock immer gewesen und bis heute geblieben. Den immer strenger werdenden Reglementierungen in der Szene enthebt er sich und bleibt unantastbar.
Auch gesanglich bleibt er bei sich. Diese derzeit häufig Anwendung findende Brüllerei, reduziert die Emotion auf Aggression. Es mag auch mehrerlei Deutungen dazu geben, aber ausnehmend viele fallen mir nicht ein. Das Facettenhandwerk findet statt, wenn der Sänger sich dessen auch bedient und darüber freue ich mich immer sehr. Dass Lee’s Stimme an Jello Biafra erinnert, wollten meine Begleiter nur selten erkannt haben. Aber auch das ist ja wohl eher positiv.
Es mag nicht einer der Abende gewesen sein, die dich paralysiert zurücklassen, aber es war mehr als nur eine solide Show und ich bin glücklich, sie endlich wieder einmal gesehen zu haben.

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