Garageville mit Sux Sux Sux, The Len Price 3, The Staggers – Sa. 25.04.2026 – Hamburg, Molotow

2026 Live

Garageville mit Sux Sux Sux, The Len Price 3, The Staggers – Sa. 25.04.2026 – Hamburg, Molotow (Foto: Angry F. Lutscher)
Aufgrund ausgeprägter Dämlichkeit von Meinereiner schafften wir es nicht, Sux Sux Sux von Beginn zu sehen. Erst am Nachmittag hatten wir aber mit Dirk van der Crypt darüber gesprochen, dass manche Bands einfach nur versuchen, so zu klingen und zwar EXAKT so, wie andere Bands aus den 60s und manche andere Bands nehmen die Einflüsse und versuchen ihr eigenes Ding daraus zu machen. Und das darf dann gerne auch entsprechend honoriert werden.
Die Wiener Band gehört in die Kategorie „Manch-andere-Bands“, aber bereits Version 2, d.h. die, die ihr eigenes Ding daraus machten, Version 1, sind ihre Helden, doch auch daraus formen sie was eigenes, machen also ein anderes Ding aus dem eigenen Ding, Version 1. Hab ich mich verständlich ausgedrückt? Wenn nicht, vergesst es einfach. Sux Sux Sux spielen wilden Garage-Punk mit brennender Leidenschaft, die ansteckt und mit der letzten längeren Nummer in einer psychedelischen Orgie endete, die uns das breiteste Grinsen ins Gesicht meißelte.
Puh, erstmal durchatmen? Nein, das war leider nicht möglich, denn dann kamen The Len Price 3 aus Medway und sorgten dafür, dass uns das Lachen im Gesicht stehen blieb und uns in staunende Opferlämmer verwandelte. Ich sags mal so: Diese drei Typen haben uns kaltblütig erlegt, mit gnadenlos perfektem Power Pop mit Mod Anleihen, melodiös, kraftvoll, brutalst geilem Gitarresnsound, alles scheißecool runtergerifft als wären sie schon 20 Jahre zusammen. Was sie natürlich auch sind, so dass der Autor sich als nächstes fragen sollte, weshalb er diese Band noch nicht kannte.
Und wie macht das eigentlich der Drummer? Das knallt derart, dass man sich einen Irren mit wildem Blick vorstellt (gottverdammich nein, ich hab nicht zuviel Muppet Show geschaut, für mich sind die Drummer IMMER Wilde mit irrem Blick). Aber der hockt da, als würde er gerade in der Küche eine Gurke schneiden. Da kann er ja neben her noch ganz locker Background singen, viel davon mit Who’scher Kopfstimme, wobei wir dann doch wieder bei den 60er Referenzen wären. Ich höre aber mehr The Jam als The Who. Genosse Sebastian sieht The Clash vor sich. Welche auch immer es sind, Len Price 3 vereint all das und setzt den eigenen Hut oben drauf. Und der beinhält Schmissigkeit, perfekten Sound und einen Drive, der mir den Kopf verdreht und mich wieder Dinge tun lassen will, die mir schon vor vielen Jahren von meinen besten Freunde, meinem Advokaten, meinem Finanzbuchhalter, meinem Versicherungsagenten und meinem Doktor verboten wurden – vergeblich natürlich. Wenn du schon mit allen Weißkitteln der Ambulanz per du bist und dir die Krankenschwestern auf der Straße zuwinken, obwohl sie denken, dass du ein Idiot bist, was natürlich auch stimmt und man am Ende nur nicht genau weiß, ob das schon immer so war oder ob die Intelligenzminderung die Folgen der Summe aller Contuso cerebri sind, die du so angesammelt hast. Wenn du gelernt hast, dass Knochen nach Brüchen stabiler werden und du stolz auf deine Narben von Schnitt- und Platzwunden bist, dann weißt du, wohin dich deine Leidenschaft für Musik getrieben hat, hahaha. Du bist schon vor dem Schlafengehen verkatert, doch schon wenige Stunden später wachst du auf und es sind nur zwei Worte, die aus dem Rest dessen kommen, was irgendwann mal dein Gehirn war und die sind: Rock and Roll! Rock and Roll! Rock and Roll!
Das ist Leben, das ist, was dich jeden Tag aufstehen lässt und diese beiden ersten Bands des Garageville-Samstags 2026 haben uns das wieder vor Augen geführt. Solange es solche Bands gibt, lohnt sich das Leben, Leute.
Da waren wir dann für die Staggers doch schon zu sehr durchgewalkt. Da ging nichts mehr. Ich fand sie auch irgendwie gebremst. Und ist das die echte Band oder waren das teilweise paid musicians. Bin jetzt nicht der original Fan der Österreicher, daher kann ich das nicht beurteilen. Es kam aber irgendwie ZU gut rüber. Da fehlte die eingebaute Ungefälligkeit, die nur ein schlechter Musiker hinbekommt und die für uns aber ein Qualitätsmerkmal ist. Sorry. No feelings for the Staggers, today.

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