Meule – Mi. 01.10.2025 – Berlin, Gretchen

2025 Live

Meule – Mi. 01.10.2025 – Berlin, Gretchen (ca. 100 Zuschauer)
Zu Meule musste ich genötigt werden. Zwei Schlagzeuger, ziemliche Techniker, deren Spiel mich in der Vorabrecherche nicht überzeugte. Das verzögernde Spiel hat was Jazziges. Dazu der Typ an seinem riesigen Synthie-Tisch mit tausendundeins Effekten und Kabeln, die eher beliebig klingende Sequenzen von sich geben. Ganz schrecklich der Gesang bzw. die Melodien, die der ehemalige Drummer dazu sang.
Doch mein Freund Martin gab nicht auf und sagte mehmals sehr eindringlich, dass ich kommen MÜSSE!! OKokokokokeeeee. Tja, und dann haute es mich auch ziemlich um.
Aber zurückgespult zum Anfang. Ins Gretchen passen wahrscheinlich so 700 Leute, schätze ich mal, mindestens. Als wir ankommen, steht niemand draußen und auch drinnen sind grade mal 5 oder 10 Verirrtwirkende. Und das quasi kurz vor der offiziellen Showtime. Die Bühne ist aber mitten in den Raum gebaut. Sehr niedrig und man konnte drumherum laufen. Das ist nicht neu, machte aber Laune. Zudem war hiemit klar, dass keine Vorband spielt.
Es kommen zwar noch ein paar Hansel zusammen aber so leer ist es im Gretchen noch nie gewesen, was irgendwie nicht ganz nachvollziehbar ist. Vielleicht weil dies eine Woche mit Feiertag war, so ein Brückending … und alle waren mal ein paar Tage weggefahren … keine Ahnung.
Meule aus dem französischen Tours sind jedenfalls von Beginn an super interessant, haben enorm viel Drive. Die Drummer sind sehr versiert und technisch, genau wie befürchtet eigentlich, … voll die Profis halt, aber sie haben auch Leidenschaft und Druck und die Rhythmen sind wesentlich unterschiedlicher und vor allem viel treibender als erwartet. Da der singende Drummer mittlerweile von einer Dame ersetzt wurde, die zwar unansehnliche Kopfbewegungen macht, aber sonst sehr cool zu sein scheint, ist der Gesang noch weiter in den Hintergrund gerückt. Es gibt eigentlich nur noch ein paar Einzeiler oder gar nur noch Lalala-Melodien, was …. naja, dann doch nicht immer ganz koscher war, aber im Großen und Ganzen ein super Konzert.
Den Tisch mit den tausend Geräten hat er von sich weg heruntergebogen. Zuerst entsteht ein Gefühl, dass das ziemlich komisch aussieht und wohl auch eher umständlich ist, aber ich glaube, dass er das macht, damit dieses schreckliche Am-Tisch-stehen-und-irgendwie-an-irgendwas-rumdrehen-was-keiner-wirklich-sehen-kann aufzuheben. Alleine, dass man sehen kann, wie er da hier und da etwas dreht und diese vielen Kabel ja schon auch was Beeindruckendes haben, ist ein total anderes Ding.
Die Gitarre hat er meistens nach hinten hängen, spielt aber fast in jedem Song wenigstens ein bisschen und das eigentlich gar nicht schlecht. Der Sound ist cool und er spielt ziemlich dissonant aber nicht zu verkopft. Ich meine, das ganze Ding balanciert durch den hohen Technikanteil und die hohe Konzentration der Akteure auf einem ziemlich schmalen Grat, sie haben das aber derart gut im Griff, dass es zu keinem Zeitpunkt ins Abstrakte kippt. OK, nicht alle Songs haben mir gefallen, aber die meisten.
Interessant fand ich, dass die Leute sich überhaupt nicht herum bewegten, mal die Seite wechselten oder so. Die blieben tatsächlich alle vor den Drummern stehen. So gesehen, hätten sie sich auch auf die normale Bühne stellen können. Und zugegeben, auf der anderen Seite sah man die Drummer nicht sondern nur den Gitarrensyntherroristen … und zwar von hinten. Er hatte einfach zu viel zu tun, sich umzudrehen und … da war ja auch fast niemand. Trotzdem fand ich’s ganz cool mal hier mal dort zu stehen und da ich ja ohnehin dauernd am Nachtanken bin, gab es ja auch noch einen anderen Grund, sich zu bewegen.
Und zum Finale tanzt der gute Mann dann auch ein paarmal wie ein Indianer ums Lagerfeuer. Das war vielleicht ein bisschen drüber, wenn man bedenkt, dass vorher fast gar nicht an Bewegung zu denken war, aber immerhin haben sie sich einen dramaturgischen Showdown überlegt.
Nach 45 Minuten ist Schluss. Auch das hätten sie eigentlich nicht besser machen können. Wer weiß ob sie es geschafft hätten, die Spannung auch für 90 Minuten zu halten. Ich fand das so top.

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