Dead Finks, Sexverbot, Inessa Anxious – Sa. 02.05.2026 – Berlin, West Germany (120 Zuschauer)
Inessa Anxious, neue Band mit leicht angeschrägtem, verspieltem Indie-Pop-Rock, recht souverän und mit herausragendem Schlagzeuger, haben mir eigentlich ganz gut gefallen, auch wenn das jetzt potentiell nicht so ganz mein Ding ist. Dass die Band in dieser Kombination zum ersten Mal auf der Bühne steht und noch nicht mal alle zusammen geprobt hat, wäre so nicht unbedingt aufgefallen.
Danach elendig langes Warten auf Sexverbot, die im allgemeinen Chaos nicht auffindbar sind (sitzen zwar draußen und klönen, aber alles drängelt sich auf dem Balkon rum und der Soundtechniker muss sich durch die Meute wühlen) und auch keinerlei Anstalten machen, jeglicher Erwartungshaltung an wen auch immer nachzukommen. Eine gefühlte halbe Stunde nachdem die Bühne geräumt ist, bequemt sich der erste langsam zur Bühne und fängt an, die Becken der ersten Band abzuschrauben. Es ist warm und niemand hat es hier eilig. Man lümmelt rum und lümmelt rum, trinkt eins und noch eins und nix passiert.
Für die letzte Band ist das natürlich eher ungünstig, wenn der Abend so zäh vor sich hintrödelt und ich selber hab auch schon fast keine Lust mehr, als Sexverbot dann irgendwann endlich anfängt.
Das Publikum ist jung stört sich soweit erstmal nicht. Sexverbot walzen ihren deutschsprachigen Proto-Punk durch den Raum. Vom Gehabe und Aussehen brauchen wir natürlich wieder mehr davon. Der Sänger ist toll, arrogant und angepisst, genau wie es sein soll.
Die Gitarre klingt als würden Wayne Kramer und Cheetah Chrome gleichzeitig durch einen Amp spielen. Das kommt erstmal ganz schön gewaltig und brutal, auf Dauer ist das Riffing aber sehr sperrig und der Rhythmus durchgehend eher langsam. Das Gefühl ist, als würde der viel beschriebene D-Zug über dich drüberfahren, aber nicht mit Wucht, sondern ganz langsam. Das Metall verschafft sich ganz langsam aber mit viel Gewicht Platz in deinem Fleisch. Das ist alles ziemlich depri und schwer und quält sich genauso durch die Songs wie der Abend durch die Zeit.
Dadurch fühlt sich das Set noch länger an, als es am Ende ist, doch bevor die Dead Finks anfangen, die hier ihre New Album Release Party feiern, bin ich weg. Mir ist das zu schleppend und es ist hier auch nicht wirklich gemütlich, auf den Dächern der kargen Billigbauten am Kottbusser Tor. Schade, aber ich werde sie demnächst woanders wieder sehen.