Boogarins, Carnivore Club – 18.10.2019, Berlin – Kantine Berghain

2019 Live

Boogarins, Carnivore ClubBerlin, Kantine Berghain (ca. 150 Zuschauer)
Die brasilianischen Boogarins sind eine sehr besondere Entdeckung, die ich nur über Frank Sawatzkis Monats-Mix-Tape kennenlernte. Anfangs fand ich sie noch grenzwertig lahm, aber die einzige moderne Band, die ähnlich wie Dungen den 70er-Psychedelic-… naja…fast schon eher …-Prog-Rock ausatmet, und zwar sehr sehr deckungsgleich.
Und wie man sich’s versieht, spielen sie um die Ecke. Im Konzert dann doch auch mit Druck aber dennoch sehr weich, ich finde eigentlich sogar, dass ich bislang keine Band kennengelernt habe, die eine größere ähnlichkeit mit den von mir sehr geliebten Camel haben.
Ich gehe ja schon seit Jahren mit einer Liebeshymne auf Camel schwanger, Untertitel: „The Return of the Lame“, hab nur noch nicht die Muse gefunden. Ebenso habe ich schon Stunden verbracht, die definitve Ode an Gentle Giant zu beginnen, leider wurde auch das bislang nicht fertig gestellt. Ah, freut euch, meine armen Seelen …. ich glaube, ich werde bald einen Ratgeber „Prog für Punks“ schreiben, haha.
Boogarins fand ich wirklich sehr beeindruckend, vielleicht auch, weil es doch sehr anders ist, als viele der Konzerte die ich sonst besuche. Kein oder nur wenig Krach, auch für mich grenzwertig unerhörte Handwerkskunst, vorallem vom Drummer, was ich mir dann doch nur gutreden konnte, weil der so facettenreich war, insbesondere in der Dynamik, denn da schwächelten manche aus den 70ern.
Alle anderen waren aber sehr cool, der Sänger vielleicht etwas over im Acting, etwas zu viel sichtbares Gebiss für meine Toleranzgrenzen, vorallem aber, weil es Freude und nicht Frust ausdrückte, hahaha. Hat mir doch erst heute mein Freund Daniel von einem Mädchen erzählt, das er letztens traf und das mich aus meiner ganz frühen Jugend kennt … also der Bereich, den man gerne im Dunkeln hält … und die hätte gemeint, „der Ralf hat sich ja irgendwann ganz schräg entwickelt, was Musik betrifft. Der hörte dann immer Punk und so.“ Und daher denke ich nicht, dass ich den Freunden von Kickin Ass erzählen muss, dass „zuviel Gebiss aus Gründen der Freude“ in diesem Land eher schlecht ankommt!
Komisch hier in der Kantine zum Berghain nur das Publikum. Ausser einem oder zwei älteren Genossen mit Fusselhaaren, verspeckter Leberweste und Bikerranzen habe ich niemanden entdeckt, dem ich Wurzeln in dieser Musik zugetraut hätte. Ich vermute mal, dass dies am Brasilianersein lag, denn die meisten schienen einfach nur wertfrei von musikalischen Aufträgen die Landsleute zu feiern. Ich gebe aber auch offen zu, immer mehr Probleme mit dem Fehlen jeglicher Differenzierungsmerkmale der heutigen Jugend zu haben. Ein Punk ist ein Punk, ein Ted ist ein Ted, ein Popper ist ein Popper, ein Rocker ist ein Rocker, ein Emo ist ein Emo, ein Gruftie ist ein Gruftie usw., all diese Klarheit der Abgrenzung gibt uns die Jugend heute nicht mehr. Sei so in Ordnung. Macht es uns allen aber schwerer.
Boogarins haben mir gut gefallen.
Carnivore Club fand ich merkwürdig. Hat mir nicht gefallen und kann ich auch überhaupt nicht einschätzen, weil da wieder keine Roots auszumachen sind, siehe Abgrenzungsdifferenzierung_HEUTE.

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