Garageville #8 – Fr. 26.04.2019, Sa. 27.04.2019, Hamburg – Molotow/Hafenklang

2019 Live

Fr. 26.04.2019:
Kommando Beat, The Trip Takers, Oh! Gunquit, Las Munjitas del FuzzHamburg, Molotow (ca. 250 Zuschauer)

Kommando Beat aus Bochum mit einer für mich unerwartet vollkommenen Darbietung ihrer 60s-Beat-Covers mit eigenen deutschen Texten. Die Band um den Bassisten und in einschlägigen Kreisen als Beatbursche bezeichneten Sympathieträger Christoph Goth hat mich wirklich extrem positiv überrascht, da der Vortrag genauso stimmig war wie die Auswahl der Songs, die textliche Einebnung und auch der emotionale Anker. Diese Truppe hat alles was man braucht und zündete den perfekten Einstieg in die nächste Runde Garageville, des besten 60s-Punk-Festivals südlich des Nordpols.

Mit schwindelerregender Geschwindigkeit steuerten wir mit den italienischen Trip Takers dann schon auf den ersten Höhepunkt zu. 60s Punk mit einer sehr deutlichen psychedelischen Note machten sie für mich zum heimlichen Favoriten des Festivals insgesamt. Man konnte sich gar nicht so schnell rantrinken und eigentlich brauchte man es auch gar nicht, so heiss wurde einem schon während der zweiten Band.


Da war es dann natürlich schwer, nachzulegen. Oh! Gunquit aus England die eigentlich angetreten sind, um sich aus der Schnittmenge aus Exotica, Garage Punk und Surf heraus auf den Partythron zu katapultieren, wirken für mich zu angestrengt und haben sich noch nicht entschieden, ob sie cool oder witzig sein wollen. Da die Bands davor die natürliche Verbundenheit und hingebungsvolle Liebe zu ihrem Schaffen so schwerelos auf die Bühne brachten, kamen einem die Londoner geradezu verkrampft und möglicherweise zu ambitioniert vor.

Da machten es La Munjitas Del Fuzz schon wieder deutlich besser, die mit ihren Nonnenkostümen und Vollbärten wenig verkennbar ebenfalls der Spaßfraktion, diesmal aber wieder ganz unprätentiös, angehörten.
Meins ist die Unterhaltungskunst eher nicht und daher fand ich die ok aber dennoch letztlich ermüdend.


The Golden Coats, Logans‘ Close, The Satelliters, Hollywood SinnersHamburg, Hafenklang (ca. 300 Zuschauer)

Die Hamburger Golden Coats haben wir leider verpasst. Weiss leider nicht mehr, wie das passieren konnte. Sorry Leute.

Bei Logans‘ Close waren wir aber ausgeschlafen und präsent. Denn was diese junge Truppe aus Edinburgh brachte war locker, frisch und aus dem Ärmel geschüttelt, dass einem fast das Gesicht stehen blieb.
Die Kompositionen waren erstaunlich vielschichtig, die beiden Sänger harmonierten brilliant und die Bühnenpräsenz kann eigentlich nur so locker sein, weil sie zu jung sind um Angst zu haben. Matt Kaiser, der mich am nächsten Tag fragte, wie ich Logan’s Close fand, durfte sich einige Lobeshymnen anhören, was er offensichtlich mit Genugtuung tat, denn er meinte, er wird es ihnen ausrichten, wo sie doch bei ihm um die Ecke wohnen würden. Irgendjemand frage, wie alt der Bassist sei und er meinte nach gespieltem Nachdenken und mit so hoch weit hochgezogenen Augenbrauen, wie er das noch lässig bewerkstelligen konnte: „13?“
Als dem mittleren Gitarrist eine Seite riss, sang er den Song erstmal einfach ohne Gitarre fertig. Irgendjemand händigte ihm danach ein in der Zwischenzeit präpariertes Ersatzholz aus, das er wie selbstverständlich entgegennahm und damit einfach weiterspielte als sei es sein eigenes, schon immer zu ihm gehörendes Instrument, trotz völlig verdrehtem Gurt und einer offensichtlich nicht passenden Tragehöhe – was jeden anderen Gitarristen erstmal in angestrengte und hölzerne Verrenkungen und Gesichtsverzerrungen treiben würde.
Das beeindruckte mich wirklich ausserordentlich. Dieser Truppe würde ich einiges zutrauen. Hauptsache sie sind nicht ZU ambitioniert und sie bleiben beieinander, was ja bei den Kids manchmal einfach nicht klappt, weil sie anfangen zu studieren und abhauen und was anderes mit dem Leben anfangen und so. Mal abwarten. Ich würde mich freuen, sie bald mal wieder zu sehen.

The Satelliters fand ich diesmal nicht ganz so stark wie die letzten beiden Male in Köln im Sonic Ballroom und in Berlin im Wild At Heart. Je länger ich mich fragte, warum mich das diesmal nicht so packte, desto mehr fragte ich mich, ob’s an der Band davor lag … Irgendwie nicht erklärbar. Sie waren gut, wie immer, aber irgendwas hat hier heute nicht so gezündet wie sonst.

Und auch die Hollywood Sinners aus Spanien konnten mich nicht mehr vom Hocker reissen. Ist eher Punkrock als Garage, bolzt mir aber zu sehr ins immer selbe Loch. Und am Ende konnte ich einfach dieses maskuline Gehopse und diese aufgerissenen Mäuler nicht mehr sehen, auch wenn das möglicherweise ihr ganz spezielles und heiss geliebtes Markenzeichen sein könnte, siehe das Cover der Platte „Disastro Garantito“, was ja auch im Titel schon die Selbstironie hat, oder???!

Also auf der Bühne kamen sie mir gar nicht selbstironisch vor. Haben mich wirklich nicht sehr überzeugt, auch wenn sie viel Leidenschaft mitgebracht hatten.

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