Flipper – Di. 20.08.2019, Berlin – Bi Nuu

2019 Live

Flipper Berlin, Bi Nuu (600 Zuschauer)
Wir kamen leider etwas spät und konnten nur zur Seite reinlinsen. War aber ok. Hätte eh keinen Bock gehabt, mich da reinzuquetschen. Es war heiss und laut. Der Lärm quälte sich walzend durch Hitze und Fleisch und es dauerte nen Moment bis mich dieser immer gleiche Rhythmus und das eher stumpfe Riffing packten.
Ich habe San Franciscos Flipper (nicht zu verwechseln mit den deutschen Flippers, HA-HA-HA) immer sehr hoch geachtet, die Platten aber nicht allzu oft angehört. Sie waren der Vorreiter der kaputten Ami-Psycho-Schiene und beeinflussten mehr oder weniger alle Bands, die später auf Labels wie Amphetamine Reptile oder Touch And Go ihre Platten rausbrachten.
Flipper gibt es seit Ende der 70er, mit langen Pausen in den 90er und 2000ern. Seit 2015 haben sie in David Yow den für mich definitiv passenden Sänger engagiert. Was der die letzten Jahre gemacht hat, weiss ich nicht, aber er ist genau wie er immer war. Meine Zeit mit ihm waren die 2-3 Touren, die er in den 90ern mit Jesus Lizard machte. Davor war er bei Scratch Acid und sein Ruf eilte ihm voraus, denn Gerüchten zufolge verbrachte er die Zeit zwischen diesen beiden Bands im Irrenhaus.
Bereits damals war klar, dass er unberechenbar ist, immer eine andere Idee hat, als man erwartet, sein Geist aber gut ist. Keinem steht der Wahnsinn so schön in Gestus und Gesicht geschrieben, auch wenn er „nur“ ein guter – und zwar ein sehr sehr guter – Entertainer ist.
Den Punk auf 19 Umdrehungen von Flipper bereichert er mit dem idealen Bild. Dazu gab es neben den Urrecken Falconi und DePace auch den vielbeschäftigten Bassisten Mike Watt als Zuckerguß dazu.
Wie man dazu in Zeitlupe pogen und mir dennoch das Bier aus der Hand schlagen konnte, bewiesen drei minderbelichtete Punks, denen ich für diese Leistung noch nicht mal böse sein konnte.
Leider alles im falschen Laden und außerdem war ich mir wieder sehr unsicher, ob ich’s gut finden soll, dass derlei Veteranenbands bei den Kids so bekannt sind. Zur Glanzzeit der Band wären hier maximal 150 Leute gekommen und so sehr ich ihnen den Erfolg auch gönne, wären mir 150 Leute lieber gewesen, um das Ereignis auch wirklich geniessen zu können. So holte man sich entweder einen schiefen Hals oder man musste sich mittem im Gewühl die Matte des Vordermanns durchs Gesicht ziehen lassen, aber wenigstens nicht durchs Bier, denn das hätte man sich eh nicht holen können, bevor man sich nicht damit zufrieden gegeben hätte, dem Schabernack von hinten beizuwohnen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.