A.R. & Machines – Do. 12.04.2018 – Dortmund, Konzerthaus

2018 Live

A.R. & MachinesDortmund, Konzerthaus (paarhundert Leute, wen interessierts …)
„Ein Kindheitstraum wird wahr!“ So dachte ich, wird die Überschrift lauten. Doch daraus wurde: „Der grösste Beschiss, den ich jemals über mich ergehen lassen musste!“
Doch zurück zum Anfang: Wir schreiben etwa das Jahr 1979. Onkel Ralf sitzt mit seinen damaligen Kinderkumpels in abgedunkelten Kellern und hört wilde Musik. Damals allerdings noch keinen Punk sondern eher Rock, aber niemals das Gewöhnliche. Eines der absolut markantesten Werke ist dabei „Die grüne Reise“ aus dem Jahr 1971 von Achim Reichel, in den 60ern als Rattles Frontmann bekannt geworden, später Betreiber des legendären Star-Clubs in Hamburg, danach und bis heute Schlagersänger und dazwischen, versteckt hinter dem Pseudonym A.R. Machines, tüftelte er sich bleibend in das internationale Gedächtnis, durch den Zufall einer Fehlbedienung. Beim Aufnehmen einer neuen Idee auf einem Reel-to-Reel Tonband, nahm er versehentlich einen Loop auf, was ihn aber auf die Idee brachte, damit zu experimentieren. Die grüne Reise hat er im Alleingang eingespielt und wer es nicht kennt, der besorge es sich. Als heranwachsende Kinder jedenfalls ermöglichte uns diese Platte, auf Drogen zu verzichten und dem Reichel nach Wiederaufflammen des Frühsiebziger Krautrocks, nachhaltige Popularität, die darin gipfelte, dass das Ding jetzt tatsächlich wieder auf die Bühne kommt, nachdem der gute Herr sich jahrzehntelang dafür schämte.
Und dieses Schämen hält offensichtlich bis heute an … irgendwie … denn für den Live-Auftritt wurde es nicht nur abgeschlichtet, fadgeglättet, die Originale weit runtergemischt und ein Haufen lahmer Klangteig darüber gelegt. Ein einziges gähnendes Gewaber, das nichts mit der liebevollen Frechheit der damaligen Aufnahmen zu tun hat. Die grüne Reise kam kaum darin vor.
Zudem wurden keine Loops live gespielt, es wurde eigentlich fast gar nichts live gespielt, von den Percussion und dem Bass abgesehen. Dem Schöpfer gegenüber befand sich sein Adjudant, der den ganzen (nunmehr digitalisierten) Wahnsinn mit Knopfdrücken bediente und ein wenig die Trommler dirigierte. Manchmal zog er etwas an den Saiten, um nicht ganz aufs Tastaturbedienen reduziert zu sein. Reichel spielte ganz leise etwas Rhythmusgitarre dazu.
Meine Meinung ist, dass die dachten, das Publikum merkt nicht, dass sie selber kaum spielen (konnte man aber sehr gut sehen, was sie spielten und was vom Computer kam). Was mich aber noch ärgerte war, dass die sogar zu faul waren, Amps herzuschleppen. Kein einziger Amp auf der Bühne! War denen doch egal, wie die Gitarren klingen, die kaum zu hören waren. Da muss man doch nicht nen Amp dafür in die Hand nehmen. „Das geht doch auch direkt in die DI-Box, oder?“.
Da Reichel auch nicht sang und auf der grünen Reise wird durchaus gejauchzt, was die Lunge hergab, hätte man auf ihn eigentlich komplett verzichten können. Ohne Witz, der eine drückte die Knöpfe und der andere machte gar nichts. Und das ist, was ich Beschiss nenne. Fragt mich nicht, was ich erwartet hatte, aber die Platten kann ich mir zuhause anhören. Immerhin hatte ich 50 (in Worten: fünfzich) beschissene Taler hingelegt und zwar dafür, dass mir das Herz rausgerissen wurde. Im Gegensatz zu dem Herrn im weissen Schlafanzug auf der Bühne, liebe ich sein Werk bis ins kleinste Detail und konnte schon mit 15 Jahren die grüne Reise auswendig hoch- und runtersingen.

Ich bin nicht enttäuscht, ich bin zutiefst getroffen!!!

Das Publikum bedankte sich fürs Verarschtwerden mit stehenden Ovationen, weshalb ich sie damit aburteilte, dass das doch eh alles CD-Käufer sind und deswegen ist diese beschissene neue Box, die neben allen AR Machines Platten, Liveaufnahmen aus den 70ern und eben die aufbereiteten Klänge denen man an diesem und ein paar anderen Abenden in Deutschland lauschen durfte, auch nur auf CD erschienen. Da ich nur eine der 5 AR Machines Platten habe und alles andere nicht mehr bezahlbar ist, hätte ich das sogar gekauft, würde ich mir diese Musik jemals wieder anhören können, ohne die Bilder dieses schrecklichen Abends vor Augen zu haben. Ich habe aber schon 50 Euro für nichts bezahlt. Wer sie nachweisbar geklaut hat, von dem würde ich sie gerne mal ausleihen.

musikalische Wegelagerei! Wird wurden unseres Geldes und unserer Herzen beraubt!

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