Poor And Weird Festival – Fr. 09.11.2018 – Berlin, Cassiopeia

2018 Live

Poor And Weird Festival Berlin, Cassiopeia (200 Zuschauer)
Poor And Weird, das Festival mit dem besten Namen aller Zeiten hat sich dem Punk (als er noch Punk war) verschrieben.
6 Bands, Start um 19:30 Uhr. Das war für mich an diesem Tag nicht zu schaffen. Da ich selbst erst um 9 zuhause ankam, schaffte ich es nicht vor 10 Uhr dort zu sein und dann passierte, was passieren musste. Die Scaners, die Band No. 1 des Abends auf meiner Deswegen-gehe-ich-hin-Liste schaffte gerade verschwitzt ihren Krempel von der Bühne runter. Arrgh! Die Quittung für meine Arroganz, die ja besonders weh tut, wenn sie einem selbst in den Hintern beisst. Keine drei Tage zuvor (gerade in Köln weilend) lehnte ich noch überheblich ab als Bernadette mich fragte, ob ich mit zu den Scaners nach Essen fahren möchte. „ESSEN?“ dachte ich, „die seh ich am Wochenende vor der Haustür. Warum sollte ich heute nach Essen fahren?“ Und was lernen wir aus der Geschichte? Leute, wenn ihr euch eine Band ansehen könnt, dann seht euch eine Band an … und wartet nicht bis morgen.
In der Riege der Bands mit den schlechtesten Namen durften wir an diesem Abend gleich zwei hochrangige Vertreter in der Cassiodingsda begrüssen, allen voran Head, eine legendäre Band aus Seattle. Ihre Stärke ist ihr Ramones-Humor an Stelle 1 und ihre Ramones-Musik an Stelle 2. Wie sagte einer beim Rauchen vor der Tür? „Der Sänger hat früher auf dem Schulhof bestimmt ne Menge Keile bekommen“. Das ist zumindest ihr Image und so sehen sie auch heute noch aus. Die Ousider auf dem Schulhof, diejenigen, die beim Sport immer als letzte gewählt werden, die Verlierer, die Guten. Mein Lieblingssong: „Although I’m 35 Years Older Than You“, hahaha. Sie haben ab den frühen 90ern eine Handvoll Singles und zwei LPs im Abstand von fast 10 Jahren veröffentlicht und bewegen sich auf einer strikten Dreiakkorde-No-Solos-kein-Song-über-2-Minuten-Schiene, was ja nicht hoch genug wertzuschätzen ist. Schön und gut, aber leider nur auf dem Papier. Irgendwie langweilig und ohne Druck. Das Verlierertum lässt auch ihre Show ein wenig zerfallen. Da gibt es keine Energie, keine Ausstrahlung. Es tut etwas weh, sie zu sehen.


So What aus Oakland mit wesentlich mehr Kraft und einem sehr guten Sänger. Wo man das jetzt musikalisch einordnen soll, ist schwierig. Power-Pop, wie auf dem Etikett stand, hab ich anders im Ohr. Da ist viel mehr Roots-Musik drin, Soul, Blues aber natürlich auch Punk, vorallem über den stets aggressiv-emotionalen Gesang. Die kaum verzerrtem SG-Gitarren klangen sehr merkwürdig aber der Basser und der Drummer waren supergut.
Zunächst fand ich die auch fürs Auge wirklich eher schwer goutierbar, doch nach ner Weile hatte die über ihre Leidenschaft mein Herz und damit auch mein Auge gewonnen, auch wenn der Drummer mit seinem Overacting eher ein Wegschauer war. Musikalisch wirklich nicht mein Ding, aber die brachten die Sache wirklich ins Rollen und am Ende war ich fast begeistert.


Sie waren dann auch die Backing Band für Derv Gordon, Sänger der legendären 60s Band The Equals. Da waren die Leute dann auch foxy am Start. Kaum mehr ein Reinkommen möglich, da auch im Kellerraum des Kassiopeia erstmal eine Flaschenhals-Ecke, in der immer die Leute stecken bleiben, zu bewältigen ist. Es interessierte mich aber auch nicht mehr, ob weiter hinten noch Platz war, da mir eine halbe Stunde von einem bequemeren Platz in der Nähe der Tür und mit direktem Zugang zu alkoholisierten Getränken reichte.


Schade. Schlechtes Timing für mich heute. Mir ist das Kassiopeia aber auch kein besonders feiner Laden. Je länger es ging, desto mehr musste ich zum Rauchen hoch und desto schlimmer wurde die Disco im oberen Teil. So wurde am Ende eine Band zum Gewinner des Abends, die ich mir unter anderen Umständen nicht angesehen hätte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.