Risha – Sa. 20.10.2018 – Berlin, Lido

2018 Live

RishaBerlin, Lido (ca. 300 Zuschauer)
… und da verschwand er im Soundgewitter …
Die Rede ist von David Eugene Edwards, einer der wenigen wirklichen Rockstars der heutigen Alternative-Musikszene. Während unser Begleiter Heinz (Namen wurden nicht von der Redaktion gefälscht) meinte, das wäre ja schon fast Gruft und die sähen aus wie Fields of the Nephilim, empfand ich das natürlich gar nicht so. Wer will schon auf einem Konzert sein, wo Leute auf der Bühne stehen, die aussehen wie Fields of the Nephilim und dazu noch Gruft-Musik machen.
Düster war Edwards schon immer und so ist das natürlich auch sein neustes Projekt, mit dem allerliebsten Alex Hacke von den Neubauten. Eine logische Folge, haben sie doch schon für einen Soundtrack zusammen gearbeitet, genauso wie bei der ins Klo gegangenen Reunion der Crime And The City Solution.
Da Edwards seit mehr als 15 Jahren in der Schaffenskrise steckt und Hacke ein wirklich logischer Partner ist, stellt sich mir eigentlich nur die Frage, warum sie solange damit gewartet haben.
Grosses habe ich nicht erwartet und genauso ist’s gekommen. Edwards, der schon mit Woven Hand viele Klangkollagen eingefügt hat, hat diesen Teil diesmal outgesourced. Hacke macht sowas gerne und gut, trifft meistens Edwards Sinn für mahlende, jammernde, orientalisch, indianisch vermischte Ethnoklänge. Da hatten wir dann auch die besten Momente. Manchmal ist er dann aber einfach nicht mehr zu bremsen und lässt ein Disco-Drums-Gewitter los, dass man fast anfängt die versteckte Kamera zu suchen.
Und nach dem eher verhaltenen Anfang wurde das immer doller, so dass Edwards im letzten Drittel des Konzerts quasi verschwindet. Ist er anfangs noch der totale Blickfang (und ich steh einfach total auf diese irre Gestik, diese Göttlichkeit, mit der er fast schon über uns thront) und proklamiert seine Klagen an die Rückwand des Lido, so werden Hackes Discoattacken immer wilder und walzen den armen Gott ins Dunkel. Irgendwann fällt mir auf, dass er sogar ein paar Schritte aus dem Licht gegangen ist und sprichwörtlich im Schatten steht.
Bei der Zugabe bin ich dann kurz davor sogar wütend zu werden, als wir fast beim Ambient-Techno ankommen. Gut, dass sie mit dem letzten Stück, dem besten des Abends, wieder alles gerettet haben. Hacke zurück zur Einfühlsamkeit, Edwards wird wieder Edwards pur, dann ganz ohne Gitarre, aber mit wundervollem Handfächeln und grossartigem Gesang. Ich mag die beiden einfach, egal was sie machen. Auch wenn ich mal wütend mit ihnen werde.
Wie toll wäre das gewesen, hätten sie einen Percussionisten dabei gehabt, der mal ein richtiges Drumset bedient und mal in seinen afrikanischen Trommeln röhrt. Und noch einen Multiinstrumentalisten, der hier eine Flöte, da ein Krummhorn, was auch immer auspackt. Dann hätte Hacke auch ein ehrenwertes Instrument zur Hand nehmen können, denn was der da macht, das kann ich gar nicht mehr beurteilen. Kann man dazu musizieren sagen? Knöpfe drücken? Wieviel davon ist noch handgesteuert? Das obligatorische Laptop auf einer Bühne, kann ich nicht weit genug in die Hölle wünschen. Nein, was ich mir wirklich wünsche, ist dass dieser digitale Wahnsinn endlich aufhört. Ich habe Charles Mansons Satz heuer jeden Nacht vor dem Einschlafen in meinen Ohren: „Go back to the horse!“

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