Oblivians, (the) – So. 24.07.2016 – Berlin, Lido

2016 Live

The ObliviansBerlin, Lido (ca. 150 Zuschauer)
Oblivians, meine alte Liebe. Ich kann trotzdem noch an einer Hand abzählen wie oft ich sie gesehen habe. Das erste Mal zu meinem 30sten Geburtstag im Stuttgarter Degerloch-Jugendhaus. Ich kann mich daran erinnern, dass mich mein Freund Pitschi dauernd quer durch den ganzen Raum warf, obwohl es gar keinen Platz gab. Die Oblivians waren von oben bis unten vollgerotzt und gebierduscht, bedankten sich am Ende aber fröhlich über soviel Enthusiasmus. Der gipfelte dann darin, dass das Publikum die Band nicht von der Bühne liess. Und zwar nicht mit Zugabenrufen sondern mit körperlicher Gewalt. Im Gewölbekeller des Degerlochs gibt es keinen Backstage über den man sich verdrücken kann. Der einzige Weg führte durchs Publikum und das war eine Wand.
Am Ende fand Jack irgendwo hinten ein Fenster, so gross wie ein Klofenster. Keine Ahnung, wo das im Keller wohl hinführte, aber er klemmte sich durch und war weg. Damit fand eins der sensationellsten Konzerte meines Lebens ein Ende.
Ihr roher Sound, zwei Gitarren und ein Schlagzeug, extremst verzerrt, viel Kellerhall und wütende Vocals, davor aber phantastisch coole Riffs und ein Songwriting, das, anders produziert in den 60er Jahren für Welthits hätte sorgen können, machte die Oblivians zu der Speerspitze einer Schar an Bands, die auch heute noch, mehr als 20 Jahre später, dieser Inspiration huldigen.
Ich sah mehr als einen Hals, der sich streckte, um zu sehen, welche Effektgeräte sie verwenden, hahaha. Antwort: KEINE!!! Hier geht es um die Direktheit und Ehrlichkeit. Ein bodenständiges Songwriting, ein bodenständiger Sound (Plug-In und dann alles auf 10), keine affektierte Show, sondern 3 einfache Menschen, die seit vielen Jahren von ihrer Musik leben und die uns, in allen ihren vielen Bands eine nicht versiegende Produktivität auf höchstem Niveau bieten und damit Scharen von Bands ein Vorbild sind. Leider kann nicht jeder Mensch bescheiden sein. Ein paar Idioten gibt es immer im Publikum. Auch wenn ich zuerst erschrocken war, denn obwohl wir die Vorband verpassten und alles schon am Warten auf die Memphis-Legenden war, konnte ich noch durchzählen. Als das Konzert begann, war es dann doch für sonntags in der Urlaubszeit wenigstens einigermassen standesgemäss, auch wenn dies das einzige Deutschlandkonzert dieser Tour war und da die Oblivians vor 3 Jahren ihre letzte Platte rausbrachten und die vorletzte vor 20 oder sowas, muss man sich ja schon sputen und fragen, ob man sie JE nochmals so zu sehen bekommen wird.

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